Menschen Bilder Emotionen
Diese Sendung schaue ich jedes Jahr wieder. Und immer wieder ist es schön und doch auch manchmal wieder doof.
Robert Enke begeht Suizid. Ein riesen Spektakel bricht los. Eine bombastische Trauerfeier wird abgehalten. Ganz Deutschland trauert um einen Menschen, dem vorher keiner eine Schwäche zugestanden hätte.
Meine Großmutter hat sich im Jahr 2008 durch einen Sprung aus dem Fenster das Leben genommen. Ihr haben wir die Schwäche der Depression zugestanden, es war kein Geheimnis und es wurde eigentlich erfolgreich behandelt. Trotzdem konnten wir sie in dieser Welt nicht halten.
Der Fußballspieler, der Torwart, ein wenig der Übermensch. Er durfte nicht schwach sein. Hinterher sagen alle, es wäre doch gar nicht so schlimm gewesen wenn er das gesagt hätte und und und. Jetzt plötzlich, wusste jeder davon und jetzt plötzlich wollte jeder helfen. Jetzt sprach man von Offenheit und Toleranz. Warum erst jetzt? Aber es ist wie immer, hinterher. Erst hinterher kommen diese Reaktionen.
Um meine Oma haben auch “viele” Leute getrauert, viele haben geweint und viele haben es nicht verstanden. Aber wir haben ihr diese Schwäche zugestanden. Depression und Suizid. Ein Thema das in Deutschland viel zu oft totgeschwiegen wird. Es ist ein Zeichen von Schwäche und schwach sein darf man in Deutschland nicht, sonst ist man direkt weg vom Fenster. Ich finde, wir sollten dahin kommen, den Menschen ihre Schwächen nicht übel zu nehmen sondern sie ihnen zuzugestehen.
Meine Oma war Schwach und doch war sie so stark. Diese Entscheidung zu treffen, sie wirklich durchzuziehen und diesmal nur an sich selbst zu denken. Wenn wir beim Thema Tod und eigene Entscheidung nicht Egoistisch sind, wann dann?
Aber hat es diesem “Helden” geholfen, das hinterher alle laut geschrien haben? Hat ihm diese Feier noch wirklich geholfen? Haben die vielen Menschen wirklich um die Person geweint oder doch um ein Scheinbild?
Hoffen wir, das aus dieser Tragödie doch etwas positives herauskommt. Hoffen wir, das sich die Gesellschaft vielleicht doch ein wenig wandelt. Hoffen wir, das Schwäche nicht immer der gesellschaftliche Tod der Menschen ist..